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Ich habe vor Kurzem folgende Aussage zu lesen bekommen:

Soweit ich weiß, wurde Baucher ja hauptsächlich deshalb so kritisiert weil seine Pferde keine Gehlust mehr zeigten und sich sein Zirkussystem nicht aufs Alltagsreiten übersetzen ließ.

Da diese Aussage von einer ausgesprochen kompetenten und überdurchschnittlich gut gebildeten Reiterin stammte, dachte ich mir dass dieses Vorurteil ganz schon verbreitet sein muss. Deswegen habe ich mich nicht nur beeilt ihm auszuräumen, sondern dachte ich auch, etwas darüber  ins Netz zu stellen, denn vielleicht gibt es noch mehr Menschen, die das Interessiert.

Ist also Baucherismus alltags-tauglich?

Die Erste Manier

Nach meinem Wissen stimmt das mit der Gehlust insofern, als dass Bauchers Pferde  zur Zeit der Ersten Manier phasenweise tatsächlich wenig Gehlust zeigten. Was nicht verwunderlich ist, wenn man den massiven Handeinsatz aus dieser Zeit bedenkt. Viele heutigen Reiter, die mit ähnlich massiven Handeinsatz reiten, haben mit dem gleichen Problem zu kämpfen und sind sehr erstaunt, wenn ihr bis dato „faules“ Pferd innerhalb von einer halben Stunde plötzlich ganz verwandelt wird, nur weil Frauchen/Herrchen gelernt hat, in der Hand feiner zu werden.

Später (Zweite Manier) war es dem aber nicht mehr so, im Gegenteil, Baucher gelang es ausgesprochen gute und saubere Grundgangarten zu produzieren. Was ja bekanntlich ohne gute Gehlust nicht funktioniert.

Und trotzdem:  bereits zur Zeit der Ersten Manier haben Bauchers Experimente bei der Französischen Kavallerie gute Ergebnisse geliefert – zumindest im Vergleich mit dem, was die anderen Instruktoren vermochten.  Interessanterweise aber funktionierte das nur so lange, so lange Baucher oder sein Sohn Henri die Aufsicht über den Reitunterricht hatten. Ohne ihre Anwesenheit ging das nicht, was nicht schwer zu erklären ist: die Erste Manier war noch lange kein gutes System, aber  Baucher war schlichtweg ein Genie, der wahrscheinlich nach JEDEM System hätte Pferde gut ausbilden können.

Und die Zweite Manier?

Der Hauptgrund, warum sich auch die Zweite Manier nicht ohne weiteres auf den Alltag übertragen ließ lag – laut zeitgenössischem Bericht von l’Hotte – mehr an der Finesse, die nicht jedem Alltagsreiter zu eigen ist, als an dem System selbst. Was ich selber gerne bereit bin zu glauben, denn wie viele Leute kennt man schon, die außer Einerwechsel auf der Volte auch Galopp rückwärts beherrschen sowie nach Belieben zwischen einer schnellen und einer langsamen Piaffe wechseln können?

Dieser hohe Anspruch an den Reiter war übrigens auch (laut l’Hotte und anderen Zeitzeugen) der Hauptgrund, warum d’Aure das Rennen gemacht hat. D’Aure war der Hauptgegner Bauchers in Kampf um den großen Auftrag: ein neues Ausbildungskonzept für die Französische Kavallerie zu entwerfen – und hat gewonnen.

Auch wenn ich Baucher gerne die Ehre gönnen wurde und obwohl in der Entscheidungsfindung persönliche Abneigungen gegen ihm sicher eine Rolle spielten, war zu dieser Zeit d’Aure trotzdem wahrscheinlich die bessere Wahl: Obwohl D’Aure sein Können an der königlichen Schule in Versailles gelernt hat und dadurch mit den Finessen der höchsten Reitkunst bestens vertraut war, hat er sich davon gelöst und ein neues, an das Englische Vollblut angepasstes System entwickelt. Dieses Ausbildungssystem war einfach und für JEDERMANN nachvollziehbar, somit für die Kavallerie zweckmäßiger. Es unterschied sich übrigens nicht allzu sehr von einem anderen, bekannten und weit verbreiteten Reitsystem: kräftige Beine treiben das Pferd gegen die kräftig aushaltende Arme und wer bremst hat verloren. Fertig ist das Reitpferd…

d'Aure

Antoine-Henri-Philippe-Leon Vicomte d’Aure bei einem Jagdasuflug.
Wirklich interessant finde ich den gesturzten Reiter im Hintergrund, der dem Vicomte offensichtlich keine große Sorgen bereitet – gewisse Opfer gehörten zu seinem System dazu. Da war Baucher ganz anders, er hat sich bemüht wirklich JEDEM Individuum zu einer Weiterentwicklung zu verhelfen.  Sein System der perfekten Beherrschung der Pferdekräfte sollte zum Teil auch
dafür die Sorge tragen, dass dem Reiter solches nicht so schnell passiert…

War also Bauchers System doch untauglich?

Die wenigen, die es vermochten, wandten natürlich Bauchers System auch auf die Gebrauchspferde an. Sie erkannten aber auch das oben beschriebene Problem und suchten nach Auswegen. Irgendwann entwickelten sie  eine etwas einfachere Variante, die für Jagd-  und Gebrauchspferde bestimmt war. (Bei Cadmos kommt bald ein neues Buch, in dem man die diesbezüglichen Schriften von de Kerbrech, La Garonne und Rul nachlesen kann.)

de kerbrech, rul

Diese Variante hat eine Riesenkarriere gemacht, die den bis dahin verstorbenen Baucher sicher für alle Niederlagen seines Lebens königlich entschädigt hätte. Wovon so gut wie niemand mehr heute etwas weiß: Sie ist von der US-Cavalry als die offizielle Reitvorschrift übernommen worden. Das geschah nicht einfach so, sondern nach einer sehr langwierigen Abwägung gegen alle anderen Europäischen Systeme. So viel zu Alltagstauglichkeit.

Nach der  Auflösung der Kavallerie in den USA haben die Instrukteure die Zivilisten unterrichtet und damit die Baucheristischen Ideen in ganz Amerika verbreitet. Auch wenn die heutigen Westernreiter ihre Wurzeln lieber bei den Spanischen Vaqueros suchen: wenn man die Baucheristische Gebrauchsvariante kennt, findet man ihre Spuren nicht nur in der Arbeit von vielen Westerntrainer, sondern interessanterweise auch bei Pionieren des Horemanships, wie Tom Dorrance (Lehrer von Ray Hunt).

Tom Dorrance

Tom Dorrance

Einer der Toms Brüder (Fred, so weit ich es mich erinnern kann) kam in Kontakt mit den Lehren von Fort Riley (der letzten Kavallerieschüle Amerikas) und hat das gelernte der Familie zur Verfügung gestellt. Ob auch Tom das Wissen seines Brüders integriert hat kann man sicher streiten. Mehr als Spaß habe ich hier die wichtigsten Prinzipien des Dorrance-Horsemanships (True Unity) (von Milly Hunt Porter zusammen getragen und frei von mir übersetzt) den ursprünglichen Aussagen Bauchers gegenüber gestellt:

  1. Das Pferd muss lernen von alleine zu arbeiten (Baucher: „Gib ihm das Gefühl er ist sein eigener Meister“)
  2. Das Pferd muss lernen für jede Bewegung die entsprechende Haltung anzunehmen (Baucher: „Position vor Bewegung“)
  3. Arbeite anfangs sehr langsam, dann gehst Du schneller voran (Baucher sagt das gleiche an sehr vielen Stellen, bedenke auch sein Prinzip des Decomposers.)
  4. Das Pferd muss total locker sein um sich frei zu bewegen (Baucher: „Verspannungen und Steifheit als Ursachen aller reiterlichen Probleme“)
  5. Wenn das Pferd die Bewegung ohne die richtige Balance angefangen hat, macht es keinen Sinn fortzufahren. (Baucher: „Wenn Lègéretè verloren geht hat alles andere keinen Wert!“)
  6. Alle Probleme, die sich im Schritt und Schritt-Übergängen zeigen, werden in allen drei Gangarten sichtbar sein. (Baucher: „Schritt ist die Mutter aller Gangarten!“)

Ob das alles nur ein Zufall ist?…

baucher stars and stripes

In diesem Sinne! :-)

Tomek

Reitkurs auf der Anlage des Reitvereins Algershofen (bei Munderkingen / nähe Ulm)

Teilnahme noch möglich – bei Interesse bitte kontaktieren:
Frau Angela Schacher, Tel.: 0173 30 60 610

Jeder, der Bücher von Baucher kennt, kennt auch die Zeichnungen der von ihm entworfenen Gebisse: der Kandare und der Trense.

Kandara Baucher - Original

Ermutigt durch sehr gute Erfahrungen mit der Baucher Trense habe ich mich auf die Suche nach einer Baucher Kandare gemacht, in der Hoffnung, dass sie sich als ähnlich hilfreich in der Pferdeausbildung entpuppt wie die Trense.

Nach vielen ergebnislosen Versuchen in Reitsportgeschäften, auf Messen und im Ebay weltweit musste ich feststellen, dass sie – im Gegensatz zu der Trense – so gut wie nicht zu beschaffen ist.

Daraufhin habe mich entschlossen, selber eine herzustellen. Im Laufe der Arbeit haben sich noch einige Veränderungen gegenüber dem Original ergeben, wie zum Beispiel das Verkürzen der Oberbäume, damit man sie mit normaler Kette verwenden kann und kein speziell angefertigtes Zaumzeug braucht sowie das Abflachen der Zungenfreiheit.

Die grundlegende Merkmale des Originals: langsame und milde Wirkung bei leichtem Eigengewicht sind aber erhalten geblieben.

Entstanden ist eine Kandare im Geist der Zweiten Manier Bauchers, die sehr an die Bedürfnisse der Pferde angepasst ist, wodurch sie gut von den Pferden akzeptiert wird uns dadurch sehr feine Einwirkung ermöglicht.

Mehr darüber finden Sie hier

An alle die sich schon angemeldet haben:

Der am 12.06 geplante Lehrgang in Algershofen / Munderkingen ist jetzt wegen Arbeiten in der Reithalle um einen Tag verschoben worden, d. h. er findet jetzt am 13.06 statt!!!

Details hier

Ich habe einen Text über die Impulsion ins Netz gestellt, unter Arbeitsphilosophie.

Hier gehts weiter zu dem Text

Impulsion, die aus dem Geist des Pferdes ausstrahlt, ist eine Qualität, die zwar mit menschlicher Brutalität immer wieder entfacht werden kann, aber, ähnlich wie der edle Eifer eines Soldaten, ohne Selbstrespekt nicht (dauerhaft, Anm T.T.) existieren kann.

Beudant

Etienne Beudant 1863 – 1949

Klare Worte

Die Gesellschaft Xenophon hat am 5. Mai Stellung  zu dem FEI-Entschied bezüglich der Rollkur bezogen.

Es scheinen Praktiker am Werk zu sein, denn die Stellungnahme spricht wirklich wesentliche, praktische Aspekte an und ist dabei angenehm frei von jedweder Hetze. Hier ein Auszug:

Aggressives Reiten zu verdammen reicht nicht, weil der Steward dann nur äußerlich sichtbare, sprich aktiv grobe Einwirkungen wird sanktionieren wollen und können, nicht aber die für das Pferd genauso stressenden verdeckten.

Zusammen mit dem, was ich auf der Pferd International 2010 beobachten konnte (siehe mein Beitrag diesbezüglich) macht es Hoffnung, dass manche Dinge sich doch in eine bessere Richtung bewegen.

Wer den ganzen Text lesen möchte findet ihm hier

Und hier noch ein Link zu Xenophon

Die freien Minuten auf der Messe habe ich genützt, um bei den Tournieren zuzuschauen. Ähnlich wie letztes Jahr ist dort die Dressur in sehr hohen Klassen geritten worden. Verständlicher Weise habe ich einige Zeit am Rande des Abreiteplatzes in der Dressur Arena verbracht.

Dort erwartete mich eine sehr schöne Überraschung, die ich gar nicht vermutet hatte: Ich habe dort DEUTLICH weniger Rollkur (und sonstige schreckliche Bilder) gesehen, als noch im Jahr zuvor. Unser aller Bemühungen um Aufklärung und Bekämpfung scheinen also doch zu wirken! Obwohl die Rollkur weiterhin offiziell erlaubt ist, wenn auch unter anderem Namen, habe ich keine Reiter gesehen, die sie so unverfroren praktizierten wie noch vor einem Jahr. Im Gegenteil, auf dem Abreiteplatz haben sich alle bemüht, so zu tun, als würden sie ganz normal reiten.

Natürlich konnte man anhand der fehlerhaften Bemuskelung der Pferde und ihrer steifen, verkrüppelten Gänge unschwer erkennen, wer daheim rollt und wer nicht. (Ich frage mich, ob die Richter es auch sehen? Und falls ja, warum sie es ignorieren?)

Die Bemühungen um ein nettes Erscheinungsbild nahmen deutlich zu wenn Edward Gal mit seinem Totilas gerade auf dem Platz zu sehen war. Dieses fantastische Pferd ist nicht umsonst ein Publikumsmagnet. Seine tänzerische Bewegung, freies Schulterspiel und federnde Hanken, erinnern viel mehr an die klassische Vorbilder als der verspannte, zwanghafte Gang, der in den letzten Jahren kennzeichnend für den Dressursport geworden ist. Das kommt aber nicht von ungefähr: das Pferd wird auch fein geritten. (Natürlich wenn ich ein Wörtchen mitreden dürfte, wurde ich Totilas mehr Freiheit im Hals wünschen, nicht ganz so eng.) Und trotzdem: im Vergleich zur Konkurrenz, leider oft genug gerade auch der Namhaften, sah das Pferd wie von einem anderen, pferdefreundlicheren Stern kommend aus.

Mich beeindruckte seine – für ein Grand-Prix-Pferd angemessen entwickelte – Nackenmuskulatur sowie die starke Aktivität der Hinterbeine. Das kontrastierte sehr stark mit den eingefallenen Oberlinien, falschen Knicken und schleppenden, nach hinten herausgestellten Hinterbeinen seiner rollenden Konkurrenten. Diese Zeichen lassen vermuten – oder zumindest hoffen – dass das alles keine Show war sondern, dass das Pferd auch daheim etwas feiner ausgebildet wird.

Wenn dem so ist (was ich sehr hoffe!), dann ist Totilas das bestmögliche Argument gegen alle schreckliche Ausbildungstechniken: ein lebendiger Beweis nämlich dafür, dass ein fein ausgebildetes Pferd sich um Klassen besser (und schöner) bewegen kann, als all die armen Viecher, die die so genannte „neue Trainingsmethode“ über sich ergehen lassen müssen.

Zusammen mit einigen hochkarätigen Fachleuten bin ich im Experten-Forum auf der Pferd International 2010.

Experten-Forum

Das Experten-Forum befindet sich in einem Holzhaus, gleich neben dem Haupteingangsbereich, unter großen Bäumen. Dort finden an allen Tagen ab 13.00 Uhr kurze, 15-minutige Vorträge von den eingeladenen Spezialisten. Danach gibt es die Möglichkeit, sich mit dem Referenten zu unterhalten.

Genaue Zeiteinteilung und die Referentenliste finden Sie hier.

Für ein Infoblatt mit allen Uhrzeiten und allen Dozenten zum Selbstausdrucken klicken Sie hier: Handzettel PI 2010

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Es gibt die neuste Regelung der FEI zum Thema Rollkur.

Sie lautet in etwa so:

„Extreme Kopf-Genick Positionen sollen fortan etwa zehn Minuten geduldet werden. Allerdings dürfe dabei nicht Müdigkeit oder Stress beim Pferd entstehen.“

Hier einige meine Gedanken zu dieser Regelung

Eigentlich gibt es momentan so viele Artikel zum Thema Légèreté, wozu noch einen schreiben?

Ich habe allerdings den Eindruck, dass in den bestehenden Artikeln etwas Verwirrung herrscht. Bekanntlich hat jeder Autor diesen Begriff seine persönliche Note gegeben und auch die heute wirkenden Reitmeister tun das ebenfalls.

Man versucht heutzutage pro oder contra Légèreté zu schreiben, vergleicht dabei aber sehr oft Äpfel mit Birnen. Deswegen habe ich versucht, einen Text zu schreiben, der dem interessierten Leser einen Überblick verschaffen soll.

Den Text findet Ihr hier

Tomek Twardowski

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