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Ich habe einen Text über die Impulsion ins Netz gestellt, unter Arbeitsphilosophie.

Hier gehts weiter zu dem Text

Impulsion, die aus dem Geist des Pferdes ausstrahlt, ist eine Qualität, die zwar mit menschlicher Brutalität immer wieder entfacht werden kann, aber, ähnlich wie der edle Eifer eines Soldaten, ohne Selbstrespekt nicht (dauerhaft, Anm T.T.) existieren kann.

Beudant

Etienne Beudant 1863 – 1949

Klare Worte

Die Gesellschaft Xenophon hat am 5. Mai Stellung  zu dem FEI-Entschied bezüglich der Rollkur bezogen.

Es scheinen Praktiker am Werk zu sein, denn die Stellungnahme spricht wirklich wesentliche, praktische Aspekte an und ist dabei angenehm frei von jedweder Hetze. Hier ein Auszug:

Aggressives Reiten zu verdammen reicht nicht, weil der Steward dann nur äußerlich sichtbare, sprich aktiv grobe Einwirkungen wird sanktionieren wollen und können, nicht aber die für das Pferd genauso stressenden verdeckten.

Zusammen mit dem, was ich auf der Pferd International 2010 beobachten konnte (siehe mein Beitrag diesbezüglich) macht es Hoffnung, dass manche Dinge sich doch in eine bessere Richtung bewegen.

Wer den ganzen Text lesen möchte findet ihm hier

Und hier noch ein Link zu Xenophon

Die freien Minuten auf der Messe habe ich genützt, um bei den Tournieren zuzuschauen. Ähnlich wie letztes Jahr ist dort die Dressur in sehr hohen Klassen geritten worden. Verständlicher Weise habe ich einige Zeit am Rande des Abreiteplatzes in der Dressur Arena verbracht.

Dort erwartete mich eine sehr schöne Überraschung, die ich gar nicht vermutet hatte: Ich habe dort DEUTLICH weniger Rollkur (und sonstige schreckliche Bilder) gesehen, als noch im Jahr zuvor. Unser aller Bemühungen um Aufklärung und Bekämpfung scheinen also doch zu wirken! Obwohl die Rollkur weiterhin offiziell erlaubt ist, wenn auch unter anderem Namen, habe ich keine Reiter gesehen, die sie so unverfroren praktizierten wie noch vor einem Jahr. Im Gegenteil, auf dem Abreiteplatz haben sich alle bemüht, so zu tun, als würden sie ganz normal reiten.

Natürlich konnte man anhand der fehlerhaften Bemuskelung der Pferde und ihrer steifen, verkrüppelten Gänge unschwer erkennen, wer daheim rollt und wer nicht. (Ich frage mich, ob die Richter es auch sehen? Und falls ja, warum sie es ignorieren?)

Die Bemühungen um ein nettes Erscheinungsbild nahmen deutlich zu wenn Edward Gal mit seinem Totilas gerade auf dem Platz zu sehen war. Dieses fantastische Pferd ist nicht umsonst ein Publikumsmagnet. Seine tänzerische Bewegung, freies Schulterspiel und federnde Hanken, erinnern viel mehr an die klassische Vorbilder als der verspannte, zwanghafte Gang, der in den letzten Jahren kennzeichnend für den Dressursport geworden ist. Das kommt aber nicht von ungefähr: das Pferd wird auch fein geritten. (Natürlich wenn ich ein Wörtchen mitreden dürfte, wurde ich Totilas mehr Freiheit im Hals wünschen, nicht ganz so eng.) Und trotzdem: im Vergleich zur Konkurrenz, leider oft genug gerade auch der Namhaften, sah das Pferd wie von einem anderen, pferdefreundlicheren Stern kommend aus.

Mich beeindruckte seine – für ein Grand-Prix-Pferd angemessen entwickelte – Nackenmuskulatur sowie die starke Aktivität der Hinterbeine. Das kontrastierte sehr stark mit den eingefallenen Oberlinien, falschen Knicken und schleppenden, nach hinten herausgestellten Hinterbeinen seiner rollenden Konkurrenten. Diese Zeichen lassen vermuten – oder zumindest hoffen – dass das alles keine Show war sondern, dass das Pferd auch daheim etwas feiner ausgebildet wird.

Wenn dem so ist (was ich sehr hoffe!), dann ist Totilas das bestmögliche Argument gegen alle schreckliche Ausbildungstechniken: ein lebendiger Beweis nämlich dafür, dass ein fein ausgebildetes Pferd sich um Klassen besser (und schöner) bewegen kann, als all die armen Viecher, die die so genannte „neue Trainingsmethode“ über sich ergehen lassen müssen.

Zusammen mit einigen hochkarätigen Fachleuten bin ich im Experten-Forum auf der Pferd International 2010.

Experten-Forum

Das Experten-Forum befindet sich in einem Holzhaus, gleich neben dem Haupteingangsbereich, unter großen Bäumen. Dort finden an allen Tagen ab 13.00 Uhr kurze, 15-minutige Vorträge von den eingeladenen Spezialisten. Danach gibt es die Möglichkeit, sich mit dem Referenten zu unterhalten.

Genaue Zeiteinteilung und die Referentenliste finden Sie hier.

Für ein Infoblatt mit allen Uhrzeiten und allen Dozenten zum Selbstausdrucken klicken Sie hier: Handzettel PI 2010

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Es gibt die neuste Regelung der FEI zum Thema Rollkur.

Sie lautet in etwa so:

„Extreme Kopf-Genick Positionen sollen fortan etwa zehn Minuten geduldet werden. Allerdings dürfe dabei nicht Müdigkeit oder Stress beim Pferd entstehen.“

Hier einige meine Gedanken zu dieser Regelung

Eigentlich gibt es momentan so viele Artikel zum Thema Légèreté, wozu noch einen schreiben?

Ich habe allerdings den Eindruck, dass in den bestehenden Artikeln etwas Verwirrung herrscht. Bekanntlich hat jeder Autor diesen Begriff seine persönliche Note gegeben und auch die heute wirkenden Reitmeister tun das ebenfalls.

Man versucht heutzutage pro oder contra Légèreté zu schreiben, vergleicht dabei aber sehr oft Äpfel mit Birnen. Deswegen habe ich versucht, einen Text zu schreiben, der dem interessierten Leser einen Überblick verschaffen soll.

Den Text findet Ihr hier

Tomek Twardowski

Eine Falle

Eine Brief von einer Freundin hat mich dazu gebracht, über ein Problem zu schreiben, mit dem feinfühlige Reiter immer wieder konfrontiert werden. Das Ergebnis möchte ich (mit ihrer Erlaubnis natürlich) mit Euch teilen:

Die Freundin schreibt folgendes:

Ich verstehe also jetzt viel klarer, dass,wenn ich mich auf sie setzte und bin selbst nicht im Gleichgewicht, so kann das schlecht zum Gleichgewicht des Pferdes oder dessen Leichtigkeit beitragen.Wenn ich darüber hinaus auch noch das Pferd in eine von ihm in dem Moment nicht gewählte Körperform zwinge, kann erst recht daraus für sie kein Gleichgewicht,geschweige denn Leichtigkeit folgen.
Ist es immer das, was Du versucht hast, mir nahe zu bringen?

Und hier meine Antwort:
Grob gesagt ja.
Es gibt nur eine kleine Falle.
Das Gewichtsverhältnis von Pferd zu Mensch beträgt zwischen 7:1 und 10:1. Es ist also sicherlich vom großen Vorteil, wenn Du im Gleichgewicht bist. Allerdings sind manche Pferde dermaßen nicht in Gleichgewicht, dass wenn Du ihm nicht aktiv helfen kannst, durch gekönnte Hilfenegebung, sein Gleichgewicht zu finden, dann wird er es von alleine NIE finden können. Egal, wie gut Du da oben sitzt – denn für ein Zehntel einer Masse ist es manchmal schlichtweg zu schwer, durch seine bloße Anwesenheit die neun Zehntel, die sehr weit aus dem Gleichgewicht geraten sind, positiv zu beeinflussen, da braucht es schon etwas mehr.

Ich erlebe es immer wieder, dass dieser Aspekt  im Reitunterricht vernachlässigt wird. Stattdessen stellt man es so dar, dass wenn Du im Gleichgewicht bist ist das Pferd automatisch mit im Gleichgewicht und wenn nicht, dann hast Du was falsch gemacht. Ein Zehntel bekommt also eine unglaubliche Macht und kann durch seine bloße Anwesenheit die restlichen neun Zehntel beliebig stark beeinflussen.
Der Reitlehrer macht sich damit sein Leben leicht. Anstatt sich einzugestehen, dass er nicht in der Lage ist, dem Reiter und seinem Pferd effizient zu helfen, schiebt er die Verantwortung auf den  Reitschüler ab, nach dem Motto: das Pferd ist nicht im Gleichgewicht also machst Du es falsch.

Ich erlebe immer wieder feine, engagierte Menschen die eben auf diese Weise ganz am Boden angelangt sind – sie haben sehr schwierige Pferde, die sehr qualifizierte Betreuung bräuchten, stattdessen kriegen sie aber nur gesagt, dass SIE es sind, die nicht im Gleichgewicht sind, oder falsch reiten oder was auch immer. Sie verrenken sich dann auf alle möglichen Arten, weil sie ihre Sache unbedingt gut machen möchten, was aber nichts bringt, weil neun Zehntel sind schon viel zu weit aus dem Gleichgewicht geraten. Am Ende werden sie nur frustriert und halten sich für Versager.

Zusammenfassend wurde ich sagen, dass ein Reiter im schlechten Gleichgewicht sowie das von Dir erwähnte Erzwingen von Haltung machen das Leben des Pferdes mit Sicherheit SEHR schwer und können die Fortschritte tatsächlich ersticken. Man darf aber daraus nicht den umgekehrten Schluss ziehen, dass wenn Du diese Elemente richtig machst dann MUSS alles automatisch gelingen.

Das passiert zwar immer wieder, vor allem bei jungen, gesunden Pferden, die keine ernsthafte Schwierigkeiten haben, dass dieses tatsächlich vollkommen ausreicht, um sie auszubilden. Aber bei anderen, besonders bei den sogenannten Problempferden braucht es meistens viel, viel mehr, um sie ins Gleichgewicht zu bringen: passender Sattel, gut gemachte Hufe, optimale Haltung, medizinische und seelische Versorgung und nicht zuletzt auch entsprechende Art der reiterlichen Hilfengebung, die mit den Problemen umgehen kann. Eine Hilfengebung, die manchmal von dem 08/15 Programm für gesunde Pferde sehr weit abweichen kann.
Aber auch dann, wenn alles stimmt, muss man wissen, dass Korrektur von solchen Pferden oft SEHR VIEL Zeit und Geduld braucht, und das Ergebnis ist immer noch ungewiss. Es passieren Misserfolge und Rückschritte, die gar nicht von Dir verschuldet worden sind, im Gegenteil. Eben weil Du Deine Sache richtig machst, offenbaren sich manchmal neue, noch tiefer liegende Wunden, die nach Heilung rufen, und manchmal meint man, das wird nie enden.

Ich wurde also sagen, dass es wichtige Verantwortungsbereiche gibt, die wir Menschen tragen und übernehmen sollen. Aber genau so gibt es auch Dinge, die außerhalb unserer Möglichkeiten – und damit auch außerhalb unserer Verantwortung – liegen.
Ich will niemanden dazu ermutigen, seine, ihm gehörige Verantwortung von sich  zu weisen. Ich will lediglich warnen: Menschen, die versuchen Verantwortung zu übernehmen für Dinge, für die sie in Wahrheit nichts können, fügen ihrer Seele Wunden zu und lahmen ihre eigene Schaffenskraft.

Es sind gerade die feinfühlige Menschen, die sich oft und gerne Problempferde anlachen. Ich glaube, dass man diese Dinge wissen muss, damit man in der Lage ist, die Aufgabe zu einem positiven Ende zu bringen und dass man nicht daran zerbricht.

Und weil der Text so ernst war, dann zum Schluß noch ein lustiges Bildchen, dass ich sehr gerne mag: